Welche Sprachen werden auf Sprachtandem.ch am häufigsten gesprochen und gelernt – und wo ergänzen sich Sprachwünsche besonders gut? Eine Auswertung von 32’518 Profilen zeigt eine Community aus 715 Gemeinden und Orten, 73 gesprochenen Sprachen und überraschend starken Sprachpaaren.

32’518 Profile aus allen 26 Kantonen
Ein Sprachtandem beginnt meist ganz einfach: Eine Person bringt eine Sprache mit, die eine andere lernen möchte – und umgekehrt. Betrachtet man Tausende solcher Profile gemeinsam, entsteht ein faszinierendes Bild der sprachlichen Vielfalt in der Schweiz.
Für diese Auswertung wurden 32’518 Profile berücksichtigt. Sie verteilen sich auf 715 Gemeinden und Orte, auf alle 26 Kantone und auf 73 verschiedene gesprochene Sprachen. Als Lernziel wurden insgesamt 72 verschiedene Sprachen ausgewählt.
Die Zahlen zeigen zugleich, wie mehrsprachig viele Mitglieder bereits sind. Im Durchschnitt nennt ein Profil 1,59 gesprochene Sprachen und 1,39 gewünschte Lernsprachen. Ein Sprachtandem ist deshalb nicht immer nur der klassische Tausch «eine Sprache gegen eine Sprache». Viele Menschen bringen mehrere sprachliche Erfahrungen mit oder verfolgen gleichzeitig mehr als ein Lernziel.
Du bist neu beim Thema? Im Beitrag Was ist ein Sprachtandem? erfährst du, wie ein Sprachaustausch funktioniert.
Deutsch ist die meistgesprochene Sprache
Fast die Hälfte aller ausgewerteten Profile gibt an, Deutsch zu sprechen. Danach folgt Englisch mit deutlichem Abstand. Die sechs am häufigsten gesprochenen Sprachen sind:
- Deutsch: 15’891 Profile oder 48,87 Prozent
- Englisch: 9’559 Profile oder 29,40 Prozent
- Schweizerdeutsch: 3’984 Profile oder 12,25 Prozent
- Französisch: 3’805 Profile oder 11,70 Prozent
- Spanisch: 3’726 Profile oder 11,46 Prozent
- Italienisch: 2’645 Profile oder 8,13 Prozent
Da ein Profil mehrere Sprachen angeben kann, lassen sich die Prozentwerte nicht zu 100 Prozent addieren. Sie zeigen vielmehr, wie häufig die jeweilige Sprache innerhalb der gesamten Community vorkommt.
Die Rangliste spiegelt die besondere Sprachsituation der Schweiz: Neben Deutsch sind Schweizerdeutsch, Französisch und Italienisch stark vertreten. Gleichzeitig prägen internationale Sprachen wie Englisch und Spanisch die Community.
Die Vielfalt reicht aber weit über die grössten Sprachen hinaus. In den Profilen finden sich unter anderem Amharisch, Tigrinya, Rätoromanisch, Tibetisch, Paschtu, Uigurisch und Gebärdensprache. Den seltensten Rand der Auswertung bilden Mandinka, Esperanto und Mongolisch: Jede dieser Sprachen wurde genau einmal als gesprochene Sprache angegeben.
Welche Sprachen möchte die Community lernen?
Auch bei den Lernzielen steht Deutsch an erster Stelle. Mehr als 14’000 ausgewertete Profile möchten ihre Deutschkenntnisse aufbauen oder verbessern. Besonders auffällig ist zudem die starke Nachfrage nach Französisch.
Die sechs häufigsten Lernsprachen sind:
- Deutsch: 14’137 Profile oder 43,47 Prozent
- Französisch: 7’068 Profile oder 21,74 Prozent
- Englisch: 6’531 Profile oder 20,08 Prozent
- Spanisch: 4’570 Profile oder 14,05 Prozent
- Schweizerdeutsch: 2’898 Profile oder 8,91 Prozent
- Italienisch: 2’838 Profile oder 8,73 Prozent
Deutsch ist damit sowohl die meistgesprochene als auch die meistgesuchte Sprache auf Sprachtandem.ch. Französisch hingegen wird deutlich häufiger als Lernziel genannt, als es von Profilen als gesprochene Sprache angeboten wird.
Die Rangliste zeigt auch, dass Sprachenlernen sehr unterschiedliche Ziele haben kann: Einige möchten sich im Schweizer Alltag sicherer bewegen, andere ihre beruflichen Möglichkeiten erweitern, sich auf Reisen verständigen oder einfach aus Interesse eine neue Sprache entdecken. Einen Überblick über verschiedene Lernwege findest du im Beitrag Die besten Methoden, um eine neue Sprache zu lernen.
Französisch und Japanisch sind besonders gefragt
Wie gut Angebot und Nachfrage zusammenpassen, lässt sich vergleichen, indem man die Zahl der lernenden Profile der Zahl der sprechenden Profile gegenüberstellt. Dabei geht es nicht zwingend um Muttersprachen: Ausgewertet wurde, welche Sprachen ein Profil nach eigener Angabe spricht beziehungsweise lernen möchte.
Bei Französisch ist der absolute Nachfrageüberhang am grössten:
- 3’805 Profile geben an, Französisch zu sprechen.
- 7’068 Profile möchten Französisch lernen.
- Das sind 3’263 mehr Lerninteressierte als sprechende Profile.
Auch bei Spanisch übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich: 4’570 Lerninteressierten stehen 3’726 sprechende Profile gegenüber. Die Differenz beträgt 844 Profile.
Besonders auffällig ist Japanisch. 247 Profile geben an, Japanisch zu sprechen, während 821 Profile die Sprache lernen möchten. Rechnerisch kommen damit rund 3,3 Lerninteressierte auf ein sprechendes Profil. Unter den stärker nachgefragten Sprachen ist das eines der knappsten Verhältnisse.
Für Französisch- oder Japanischsprechende kann das eine gute Nachricht sein: Wer im Gegenzug eine gefragte Zielsprache sucht, trifft auf eine grosse Gruppe potenzieller Tandempartner:innen. Die Zahlen garantieren allerdings noch kein passendes Match. Wohnort, Lernniveau, Interessen, Verfügbarkeit und gewünschte Austauschform spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Deutsch und Englisch haben das grösste Matchingpotenzial
Noch näher am eigentlichen Tandemgedanken ist die Frage, welche Sprachwünsche sich gegenseitig ergänzen. Die am häufigsten vorkommende einseitige Kombination lautet:
Deutsch sprechen und Französisch lernen.
Insgesamt 5’393 Profile nennen genau diese Kombination. Danach folgen:
- Englisch sprechen und Deutsch lernen: 4’849 Profile
- Deutsch sprechen und Englisch lernen: 4’004 Profile
- Deutsch sprechen und Spanisch lernen: 3’820 Profile
- Spanisch sprechen und Deutsch lernen: 2’740 Profile
- Deutsch sprechen und Italienisch lernen: 2’172 Profile
Für ein gegenseitiges Tandem müssen jedoch beide Richtungen vorhanden sein. Deshalb haben wir zusätzlich das theoretische reziproke Matchingpotenzial berechnet. Dabei wird beispielsweise verglichen, wie viele Personen Deutsch sprechen und Englisch lernen – und wie viele Englisch sprechen und Deutsch lernen. Die kleinere der beiden Gruppen begrenzt die Zahl möglicher gegenseitiger Paarungen.
Das grösste rechnerische Potenzial haben:
- Deutsch und Englisch: bis zu 4’004 gegenseitige Paarungen
- Deutsch und Spanisch: bis zu 2’740 gegenseitige Paarungen
- Deutsch und Französisch: bis zu 2’094 gegenseitige Paarungen
- Deutsch und Italienisch: bis zu 1’752 gegenseitige Paarungen
Diese Werte sind keine Zahl tatsächlich bestehender Tandems. Sie zeigen lediglich, wie viele Profile aufgrund ihrer Sprachangaben grundsätzlich komplementäre Wünsche haben. Ob zwei Menschen wirklich zueinander passen, hängt von weiteren Faktoren ab. Hilfreiche Kriterien dafür findest du im Beitrag Ideale Sprachpartner:innen finden.
Zürich ist der grösste Standort – die Community bleibt schweizweit
Die grösste lokale Community befindet sich in Zürich. 11’211 ausgewertete Profile sind der Stadt beziehungsweise Gemeinde Zürich zugeordnet. Danach folgen:
- Zürich: 11’211 Profile
- Bern: 4’689 Profile
- Basel: 2’279 Profile
- Luzern: 1’375 Profile
- Aarau: 948 Profile
Zürich und Bern vereinen zusammen knapp 49 Prozent der ausgewerteten Profile. Das zeigt die starke Rolle der grossen urbanen Zentren.
Gleichzeitig ist Sprachtandem.ch deutlich breiter aufgestellt: Die Profile stammen aus 715 Gemeinden und Orten und aus allen 26 Kantonen. Auch ausserhalb der grössten Städte bestehen deshalb Chancen auf einen persönlichen Sprachaustausch. Und wo die lokale Auswahl kleiner ist, erweitert ein Online-Tandem den Suchradius praktisch unbegrenzt.
Sprachenlernen ist kein reines Studierendenthema
Sprachtandems werden oft mit Studium, Auslandsemester oder jungen Erwachsenen verbunden. Die Altersstruktur der Community zeichnet jedoch ein breiteres Bild.
Das näherungsweise Medianalter liegt bei 38 Jahren, das Durchschnittsalter bei rund 40 Jahren. Unter den Profilen mit plausibler Altersangabe sind knapp 72 Prozent zwischen 25 und 44 Jahre alt. Die grösste Gruppe bilden die 35- bis 44-Jährigen, gefolgt von den 25- bis 34-Jährigen.
Das zeigt: Sprachenlernen begleitet Menschen weit über Schule und Studium hinaus. Berufliche Veränderungen, ein Umzug, Reisen, persönliche Beziehungen oder die Freude an neuen Kontakten können in jedem Lebensabschnitt ein Grund sein, eine Sprache aktiv zu nutzen.
Auch die Geschlechterverteilung liegt relativ nahe beieinander. Unter den Profilen mit entsprechender Angabe sind rund 57 Prozent weiblich und rund 43 Prozent männlich; ein kleiner Anteil nutzt die nichtbinäre Auswahl. Rund 15 Prozent der ausgewerteten Profile machten keine Geschlechtsangabe.
Mehr als jedes dritte Profil ist offen für Online-Tandems
11’170 Profile haben ausdrücklich angegeben, auch online lernen zu wollen. Das entspricht 34,35 Prozent der ausgewerteten Profile – also mehr als jedem dritten.
Online-Tandems sind besonders hilfreich, wenn die gewünschte Sprache am eigenen Wohnort nur selten vertreten ist, die Zeit für regelmässige Treffen fehlt oder zwei passende Personen in unterschiedlichen Regionen leben. Sie können aber auch eine Ergänzung zu persönlichen Treffen sein.
Aus der fehlenden Online-Auswahl lässt sich nicht automatisch ableiten, dass ein Profil ausschliesslich Treffen vor Ort wünscht. Sicher sagen lässt sich nur: Mehr als ein Drittel hat die Online-Option ausdrücklich aktiviert. Wie du digitale Gespräche sinnvoll gestaltest, zeigt der Beitrag Online Sprachen lernen: So gehts richtig.
Die Community wächst weiter
Die Auswertung zeigt nicht nur einen grossen historischen Profilbestand, sondern auch weiterhin neue Registrierungen. Im Jahr 2025 kamen 3’218 ausgewertete Profile hinzu. Vom 1. Januar bis zum Stichtag am 28. August 2026 wurden bereits weitere 2’338 Profile angelegt.
Der Teiljahreswert für 2026 lässt sich noch nicht direkt mit einem vollständigen Vorjahr vergleichen. Er zeigt aber, dass Sprachaustausch weiterhin auf Interesse stösst – sowohl für die grossen Landessprachen als auch für internationale und seltene Sprachen.
Was die Zahlen für deine Tandemsuche bedeuten
Die Statistik zeigt vor allem eines: Hinter jeder Rangliste stehen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Zielen und Geschichten. Die grösste Sprachgruppe ist nicht automatisch die beste Wahl für dich, und eine seltene Sprache muss kein Hindernis sein.
Für eine erfolgreiche Suche helfen drei Fragen:
- Welche Sprache kannst du sicher in ein Tandem einbringen?
- Welche Sprache möchtest du in echten Gesprächen anwenden?
- Möchtest du dich persönlich treffen, online sprechen oder beides kombinieren?
Je klarer dein Profil diese Punkte beantwortet, desto leichter können passende Personen dich finden. Nutze anschliessend die Tandemsuche, um nach Sprache, Ort, Alter, Geschlecht und Austauschform zu filtern.
Ob Deutsch gegen Französisch, Englisch gegen Spanisch oder eine deutlich seltenere Kombination: Ein gutes Sprachtandem beginnt nicht mit perfekten Sprachkenntnissen, sondern mit zwei Menschen, die bereit sind, regelmässig miteinander zu sprechen und voneinander zu lernen.
So wurde ausgewertet
Die Auswertung basiert auf dem Datenbestand von Sprachtandem.ch mit Stichtag 28. August 2026. Berücksichtigt wurden 32’518 Profile, die mit einem bestätigten und nicht blockierten Benutzerkonto verbunden waren.
Bei der Interpretation gelten folgende Hinweise:
- Die Zahl beschreibt ausgewertete Profile, nicht monatlich aktive Nutzer:innen.
- Sprachangaben beruhen auf Selbstauskünften der Profile.
- Mehrfachnennungen sind möglich; deshalb können sich Sprachanteile auf mehr als 100 Prozent summieren.
- Gemeinden wurden nach Möglichkeit anhand der BFS-Nummer zusammengeführt.
- Das Alter wurde aus dem Geburtsjahr angenähert und ist nicht tagesgenau.
- Das Matchingpotenzial ist rein rechnerisch und berücksichtigt weder Aktivität noch Ort, Alter, Interessen, Lernniveau oder Verfügbarkeit.
- Bei sehr kleinen Sprachgruppen wurden keine zusätzlichen Merkmale kombiniert oder veröffentlicht.


